Mit dem Bären die Angst vor dem Doktor nehmen

UKS-Schulzentrum unterstützt zum ersten Mal die „Teddyklinik Homburg“

DSC02117_red„Butzi hat ganz dolle Schmerzen im Bauch“, sagt der 6-jährige Yves-Rolf aus Zweibrücken, „kannst Du dem helfen?“ Besorgt wendet sich der Grundschüler an Eduard Kruchten, der Butzi sehr einfühlsam untersucht und dabei feststellt, dass Butzi zu viele Gummibärchen gegessen haben muss. Butzi ist jedoch nicht der kleine Bruder von Yves-Rolf und erinnert seinem Aussehen nach auch nicht an einen Menschen, sondern an einen Vertreter der Gattung Ursus arctos. Butzi ist ein Braunbär, allerdings aus Plüsch. Und ein akuter Fall für den OP.

Diese und ähnliche Szenen fanden zwischen dem 2. und 4. Juli 2015 in der „Teddyklinik Homburg“ gleich zu Dutzenden statt. Der Homburger Saalbau wurde dabei zum Krankenhaus umfunktioniert, Kinder zwischen drei und acht Jahren hatten dort die Möglichkeit, ihre Kuscheltiere von angehenden Ärzten des Universitätsklinikums des Saarlandes behandeln lassen. Nach einem eingehenden Anamnesegespräch führten die Medizinstudierenden zunächst die Diagnostik durch, die auch im richtigen Leben, also im Klinikalltag, Anwendung finden würde: z.B. Ultraschall, Blutabnahme und bildgebende Verfahren wie Röntgen. Je nach Ergebnis standen dann OPs an und das ein oder andere Kuscheltier fand sich mit einem Gipsbein oder einem Verband wieder. Die Idee, die hinter der Teddyklinik steckt, ist dabei ganz simpel: Auf spielerische Art soll Kindern die sprichwörtliche Angst vor dem Doktor genommen werden, mit dem Mittel des Rollentauschs, also ohne dass sie dabei selbst Patienten sind. Denn diese Rolle übernehmen stellvertretend die Stofftiere. Die Kinder schlüpfen in die Rolle der besorgten Eltern und sehen dann aus dieser Perspektive, wie ihren Lieblingen geholfen wird.

„Neu in diesem Jahr war, dass wir auch andere Gesundheitsfachberufe gewinnen konnten“, sagt Friederike Kunze, die die Teddyklinik zusammen mit ihren Kommilitonen Ann-Kathrin Asen, Eduard Kruchten, Judith Pfänder und Annabelle Wagner organisiert. „Das macht auch durchaus Sinn, denn Operationen finden immer in einem interdisziplinären Team statt“, sagt Dirk Lehmann. Lehmann muss es wissen, denn er ist selbst gelernter Krankenpfleger und hat nach seiner Weiterbildung zum Fachpfleger für den operativen und endoskopischen Funktionsdienst lange Jahre im OP gearbeitet, bevor er als Unterrichtsassistent ins Schulzentrum gewechselt ist. „Ich habe direkt zugesagt, als wir von den Veranstaltern um Unterstützung gebeten wurden“, sagt Lehmann, der zusammen mit Georg Bastian die Ausbildung „Operationstechnischer Assistent“ (OTA) im UKS-Schulzentrum koordiniert. „Unsere OTA-Auszubildenden Jessica Brödel und Saskia Interliggi halfen tatkräftig bei der Behandlung der Kuscheltiere mit und haben die Kids betreut. Ich habe mir persönlich ein Bild vor Ort machen können und war begeistert, wie engagiert meine OTAs waren, und wieviel Spaß es den Kindern gemacht hat“, freut sich Lehmann: „Im nächsten Jahr sind wir ganz gewiss wieder mit dabei.“

Die Aktion „Teddyklinik“ findet in vielen Bundesländern statt und wird von Universitätskliniken und Krankenhäusern organisiert, unterstützt und durchgeführt. Für die „Teddyklinik Homburg“ können sich Kleingruppen ab fünf Kindern auch im nächsten Jahr unter www.teddyklinikhomburg.de wieder einen Wunschtermin für die jeweilige Behandlung reservieren lassen.

Hintergrund:

Der Beruf Operationstechnischer Assistent bzw. Operationstechnische Assistentin (OTA) hat Zukunft und ist schon heute etablierter Fachberuf und somit unverzichtbarer Teil des interdisziplinären, multiprofessionelle Operationsteams. OTA betreuen Patienten vor, während und nach operativen Eingriffen bzw. diagnostischen oder therapeutischen Untersuchungen und leisten damit ihren Beitrag zu deren Sicherheit. Sie bereiten die Eingriffe vor und stellen die benötigten medizinischen Geräte, das Instrumentarium und die weiteren erforderlichen Medizinprodukte bereit. Sie tragen durch eine qualifizierte und fachlich versierte operationstechnische Assistenz die Verantwortung für einen zügigen und reibungslosen Ablauf des Eingriffs. Ein weiteres Aufgabenfeld der OTA besteht darin, im Umfeld der Operation das Operationsteam durch eine sogenannte Springertätigkeit zu unterstützen.

OTA arbeiten vorwiegend in allgemeinen Krankenhäusern, in Fach- oder Universitätskliniken, in Facharztpraxen, die ambulante Operationen durchführen, sowie in ambulanten Operationszentren. Weitere Einsatzgebiete bestehen in Endoskopieabteilungen, Notfallambulanzen, Zentralen Sterilgutversorgungsabteilungen (ZSVA). Innerhalb ihrer Arbeitsgebiete tragen OTA zur Entwicklung und Umsetzung von Qualitäts- und Sicherheitsstandards bei, und gewährleisten so ein hohes Maß an Sicherheit für den Patienten. Sie sind ferner für eine lückenlose und fachlich korrekte Dokumentation verantwortlich und führen administrative und organisatorische Tätigkeiten effizient und wirtschaftlich aus.

Die nächste OTA-Ausbildung, die in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Saarbrücken stattfindet, beginnt am 1. Oktober 2015.

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