Checkliste Social Media für Gesundheitsfachberufe

Nur einer von zehn Ärzten nutzt Facebook auch zu beruflichen Zwecken. [1] Die anderen hegen Vorbehalte gegenüber Sozialen Netzwerken und glänzen durch Abwesenheit. Es ist zu bermuten, dass dies bei Angehörigen anderer Gesundheitsfachberufe, etwa Gesundheits- und Krankenpflegern, Physiotherapeuten oder Diätassistenten ähnlich ist. Dabei leisten Facebook, Twitter & Co. durchaus gute Dienste hinsichtlich Praxismarketing und Self Employee Branding, worunter nichts anderes verstanden wird, als auf sich im Netz als Arbeitnehmer aufmerksam zu machen: Bewerbung 2.0 sozusagen. Letzteres ist nicht nur für Ärzte, sondern auch für Angehörige von Gesundheitsfachberufen interessant, die Social Media nutzen möchten, um sich ein Profil als Arbeitnehmer zu geben und dies aktiv zu kommunizieren, etwa auf Xing.

Überstürzen ist als Strategie offensichtlich genauso schlecht wie Vermeiden, es kommt, wie so oft, auf die Vorbereitung an: Noch vor aller Strategie lohnt es sich einmal, die folgenden Fragen zu beantworten, bevor man Hals über Kopf in die Untiefen Sozialer Netzwerke eintaucht. Die Checkliste von Benjamin Visser und Kollegen ist im Journal of the Forum for Medical Ethics Society erschienen und dient dabei der Selbst-Evaluation [2]:

  • Social Media-Profil: In Ihrem Facebook-Auftritt zeigen Sie Fotos, verlinken auf Videos und kommentieren Beiträge anderer. Passen diese persönlichen Informationen zu Ihrem Image als Arzt oder Angehöriger eines Gesundheitsfachberufs?
  • Privatsphäre: Mit den Privatsphären-Einstellungen regeln Sie den Zugang zu den Informationen, die Sie mitteilen. Sind Sie sich darüber bewusst, wer alles Zugriff auf Ihr Profil hat auf der Grundlage Ihrer Privatsphären-Einstellungen?
  • Online-Reputation: Sind Sie mit den Informationen, die man über Sie und Ihre Arzt- oder Physiotherapie-Praxis, Ihren Ambulanten Pflegedienst oder Ihr Seniorenheim im Netz findet, eigentlich zufrieden?
  • Patienten: Sind Sie mit aktuellen oder früheren Patienten auch online verbunden?
  • Pharmaindustrie: Stehen Sie online mit der Pharmazeutischen Industrie oder einem anderen Unternehmen in Verbindung? Es kann ja ganz harmlos sein, aber dennoch bei Dritten Fragen aufwerfen bezüglich Ihrer Integrität und Unabhängigkeit…
  • Datenschutz: Gewährleisten Sie die Privatsphäre Ihrer Patienten? Und Ihre Kollegen? Auch dann noch, wenn ein „Fall“ in verschiedenen Foren diskutiert wird, so dass jede weitere Information die Identität des Patienten mehr und mehr aufdeckt? Die Summe der Informationen machts! Das ist ganz so wie früher bei Dalli-Klick!
  • Verleumdung: Früher tobten sich Akademiker in Fußnoten aus (z.B. „Völlig abwegig hingegen Meyer, S. 45ff.“), heute im Social Web. Neigen Sie auch dazu, sich auf Kosten anderer Meinungen zu amüsieren. Die Konkurrenz unter niedergelassenen Ärzten ist groß – diffamieren Sie da schon einmal einen Kollegen? Schreiben Sie niemals Sachen über andere, die Sie über sich selbst auch nicht lesen möchten.
    Patientenvertrauen: Gibt es Beiträge von Ihnen, die unter Umständen das Potenzial haben, das Vertrauen von Patienten in Ihre Arbeit oder die Ihrer Kollegen zu erschüttern?
  • Evidenzbasierung: Sie äußern sich zu medizinischen Sachverhalten und geben Ratschläge – geschieht das evidenzbasiert und sind Sie auf dem neuesten Stand der Wissenschaft?
  • Copyright: Beachten Sie die Urheberrechte anderer Autoren und Institutionen?
  • Disclaimer: Na, bei jedem Posting auch an den Haftungsausschluss gedacht?

Sofern Sie die Fragen zufriedenstellend beantworten können, bewegen Sie sich auf sicherem Eis.

[1] telegate AG (Hrsg.): Studie „Mittelstand und Werbung 2012“, Teil 1, Januar 2013.
[2] Danke an Neelesh Bhandari (http://tips.hcsm.in/2013/07/eleven-questions-for-doctors-who-are-online/#sthash.ga8PusCj.dpuf) für den Hinweis!
Datum des Zugriffs: 2015-09-04.

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