„Über die Kante drüber gucken“

Ein Erfahrungsbericht zweier Hebammenschülerinnen zur ersten Studienphase im Bachelor of Science „Gesundheit und Pflege“ an der Katholischen Hochschule Mainz

„Das Studium hat unseren Blick auf das, was man in der Ausbildung erlebt, verändert“, sind sich Hannah und Natascha einig.
„Das Studium hat unseren Blick auf das, was man in der Ausbildung erlebt, verändert“, sind sich Hannah und Natascha einig.

„Über die Kante drüber gucken“ – so empfinden die Hebammenschülerinnen Hannah und Natascha ihr duales Studium an der Katholischen Hochschule Mainz. Susanne Mack, die Leiterin der Hebammenschule des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) in Homburg, befragte die beiden Schülerinnen zum Ende ihrer Ausbildung zum Studium, das die beiden parallel zu ihrer Ausbildung begonnen hatten.

„Auch wenn das Studium eine Mehrbelastung darstellt, war es doch gut machbar und hat sich zu 100% gelohnt. Es war ungemein bereichernd“, da sind sich die beiden einig. Sie erinnern sich noch gut an ihre erste Hausarbeit im Fach wissenschaftliches Arbeiten, die ihnen noch sehr schwer gefallen sei, trotz ausführlicher Anleitung. „Aber mit jeder Hausarbeit wurde es besser und ich bin sehr stolz auf mich, ich bin wirklich über mich hinausgewachsen“, so Hannah. „Wichtig war, dass wir zu zweit waren und uns gegenseitig unterstützt haben“, meint Natascha „dass wir mit dem Stress nicht allein waren, sondern im gleichen Boot saßen und uns gegenseitig geholfen haben.“

Auch den Austausch mit den anderen Hebammenschülerinnen haben die beiden als bereichernd empfunden. „Es war eine sehr intensive Zeit“ erinnert sich Natascha. Während im ersten Studienblock noch einige sehr schüchtern waren, konnte man bereits im zweiten Block erleben, wie gerade die Schüchternsten sich nun getraut haben, vor der Gruppe frei zu sprechen. Sie sind sich einig, dass sie ihrer Hebammen-Professorin Frau Prof. Dr. Monika Greening viel zu verdanken haben. Sie schwärmen geradezu von ihr, „die Frau ist faszinierend! Sie hat uns zu einer Einheit gemacht, dadurch ist es leichter gefallen.“ Hannah und Natascha haben Frau Greening so erlebt, dass sie jede nimmt, wie sie ist: „Es war einfach harmonisch.“ Ihre Professorin hatte immer ein offenes Ohr. „Wenn man ihr eine Mail schrieb, hatte man spätestens am nächsten Tag eine Antwort“, meint Hannah „Wir haben so viel Unterstützung von ihr bekommen. Sie hat uns einfach gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir hier sind.“ Und sie sind beeindruckt davon, wo Frau Greening überall aktiv ist und was sie in der Welt der Hebammen so alles bewegt.

Zwar hatten sich die beiden im Studium auch viel mit Modellen und Theorien beschäftigt, „aber das war alles sehr praxisbezogen. Und es hat unseren Blick auf das, was man in der Ausbildung erlebt, verändert“, meinen sie. Es war spannend zu sehen, was Studien sagen, wie man es eigentlich machen soll, und „wie viel Quatsch man stattdessen eigentlich macht“.

Dabei fühlen sich die beiden keineswegs als „etwas Besseres“, sondern im Gegenteil, sie haben sich an der Hochschule noch mehr als Hebamme gefühlt, weil sie sich kritisch mit ihrer Hebammenidentität auseinandergesetzt haben. „Identität der Hebamme ist überhaupt ein cooles Thema“, meint Natascha staunend: „Wir konnten uns aussuchen, mit welchem Thema wir uns beschäftigen wollten, was einem liegt, was einem gefällt und wie viele komplett unterschiedliche Themen zu bearbeiten möglich waren.“

So ist das überhaupt im Studium: Die Grundstruktur wird erklärt und dann wird viel selbständig erarbeitet, aber das nicht nur abstrakt, sondern immer mit der Praxis verknüpft.

Natürlich gab es auch Prüfungen, die abgelegt werden mussten, „und auch das war sehr abwechslungsreich, mal ein Referat, mal eine Hausarbeit. Auch die Gruppenreferate mit den anderen Disziplinen waren cool“. Überhaupt war die Zusammenarbeit mit den Studierenden der anderen Gesundheitsfachberufe sehr bereichernd und es war interessant, die Welt aus deren Blickwinkel zu betrachten.

Und wie geht es jetzt weiter? Zunächst müssen die beiden noch ihre Prüfungen in der Ausbildung abschließen. Danach stehen drei Semester Vollzeitstudium in Mainz an. Hannah und Natascha können zwischen drei Fachrichtungen wählen: Management, Pädagogik oder klinische Expertise, also vertieftes Hebammenwissen. Beide neigen zur Pädagogik. „Es hat so viel Spaß gemacht, unserem Unterkurs etwas zu zeigen, unsere Erfahrung weiterzugeben und denen was zu erklären. Schließlich wissen wir ja, wie wichtig das ist“, meint Natascha. Beide können sich gut vorstellen, später in die Lehre zu gehen.

Vorher wollen sie aber erst einmal als Hebamme arbeiten, „denn schließlich muss man Erfahrung haben und wissen, wovon man redet“. Da sie bald ihr Hebammenexamen in der Tasche haben, können sie sich auch ihr Studium damit finanzieren. Natascha will sich gleich nach dem Examen in die Freiberuflichkeit stürzen. Sie vermutet, dass das zwar etwas anstrengend wird, aber sie weiß sich gut von ihrer freiberuflichen Kollegin unterstützt, bei der sie auch schon ihr Externat während der Ausbildung gemacht hatte. Diese Kollegin hat selbst auch studiert und ihr will sie nun zur Seite stehen und hier und dort aushelfen. So kann sie es auch besser steuern, wenn sie mal etwas mehr Zeit für das Studium braucht.

Hannah hingegen will sich in einer Klinik in der Nähe der Hochschule anstellen lassen. „Die haben dort auch schon Erfahrung mit Studierenden gemacht und sind dem gegenüber sehr positiv eingestellt. Sie unterstützen das, indem sie sehr flexible Arbeitszeiten ermöglichen.“

Natascha sieht dem nächsten Studienabschnitt mit Respekt entgegen. Sie rechnet damit, dass es wohl anstrengend werden wird, gerade, weil sie nebenher freiberuflich arbeitet. Dennoch, die Vorfreude überwiegt und beide sind sehr gespannt, wie es weiter geht.

Mit dem Bachelor-Abschluss erhoffen sich die beiden, dass sie im Arbeitsalltag Ärztinnen und Ärzten mit einem fundierten Fachwissen gegenübertreten können und ihnen auf Augenhöhe begegnen können.

Die Hebammenschule des UKS kooperiert mit der Katholischen Hochschule in Mainz und ermöglicht den Schülerinnen darüber, parallel zu Ausbildung das Studium zu beginnen. Teile der Ausbildung werden von der Hochschule anerkannt.

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