Zu Besuch bei der „wilden Hilde“

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Im Hildegarten

Immer nur am Lernort Schule zu sein, ist auf Dauer ein bisschen eintönig. Deswegen bereichern zunehmend Exkursionen und Studienfahrten das Ausbildungsprogramm der Schule für Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege des Universitätsklinikums des Saarlandes in Homburg. Von einer Studienfahrt ins Land, wo die Zitronen blühen, haben wir neulich berichtet. Hier schreibt Kimberly-Lynn Goodwin über eine Exkursion nach Bingen und damit an das Tor zum Mittelrhein, welcher mit der Rheinromantik auch heute noch in vielen Ländern der Erde das Bild und die Vorstellung der Menschen von Deutschland bestimmt. Von der Rheinromantik waren die Auszubildenden dann auch nachhaltig beeindruckt, doch das eigentliche Ziel waren nicht Burgen, Ruinen und Weinberge, sondern Leben und Werk Hildegards von Bingen, der mit dem „Museum am Strom“ in unmittelbarer Nähe zum Rhein ein eigenes Museum gewidmet ist.

Während unsere Mitschülerinnen und -schüler auf Studienfahrt in Norditalien waren, verbrachten wir übriggebliebenen Auszubildenden des Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege-Kurses OK 2/14 die Woche in der Schule. Doch am 17. Juni 2016 sollten auch wir ein bisschen Reisefeeling haben, denn wir machten eine Exkursion. Als Grundlage zu dem Ausflug in das „Museum am Strom“ in Bingen haben wir uns zunächst mit der Geschichte und dem Leben der Hildegard von Bingen beschäftigt.

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Wollte der Künstler hier die Mystikerin betonen?

Hildegard von Bingen wurde 1098 in Bermersheim im heutigen Rheinland-Pfalz geboren, verstorben ist sie am 11. September 1179 in ihrem Kloster Rupertsberg in Bingen. 1106, mit also nur acht Jahren, wurde sie von ihren Eltern in die Obhut der Jutta von Sponheim gegeben. Die aus dem Adelsgeschlecht der Sponheimer stammende Jutta war Vorsteherin einer benediktinischen Frauenklause auf dem Disibodenberg bei Odernheim am Glan und erzog und unterrichtete Hildegard im geistlichen Glauben. 1114 trat Hildegard von Bingen dem Benediktiner-Orden ein und legte ihrer Gelübte ab. Dazu erhielt sie den Ordensschleier vom heiligen Otto, dem Bischof von Bamberg. 1136 wurde sie zur geistlichen Mutter auserwählt. Hildegard war jedoch immer wieder von Erkrankungen geplagt, die sie ans Bett fesselten. Ihrem Wirken scheint dies jedoch nicht abträglich gewesen zu sein, denn ab 1141 begann die große Schauperiode ihrer Visionen und Werke.

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Im zweiten Geschoss handelt die Ausstellung hauptsächlich von Hildegards Schriften, deren eindrucksvolle Buchmalereien hier sehr anschaulich interpretiert werden

Im Museum selbst hatte Museumsleiter Dr. Matthias Schmandt sehr kurzfristig eine Führung organisiert, in der wir sehr kurzweilig viele Informationen ergattern konnten. Chronologisch aneinandergereiht ging es durch Leben und Wirken der Hildegard von Bingen, die als Geistliche, Mystikerin, Dichterin und Universalgelehrte mit Sicherheit als Ausnahmegestalt des Mittelalters zu bezeichnen ist. Viele Bilder, Gegenstände und Modelle haben uns nicht nur ihre Geschichte näher gebracht, sondern auch das Leben im Mittelalter, in das wir auf zwei museumspädagogisch ganz unterschiedlich aufbereiteten Etagen eintauchen konnten. Insbesondere für uns, die einen Gesundheitsfachberuf erlernen, sind Hildegards  Abhandlungen über Pflanzen und Krankheiten. Nach 1150 verfasste Hildegard das Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum, zu Deutsch Das Buch von den Geheimnissen der verschiedenen Naturen der Geschöpfe. Im Laufe der Zeit wurden aus diesem Werk zwei eigenständige Schriften gemacht: Causae et curae, was sich mit Ursachen und Heilungen übersetzen lässt und ein Buch über die Entstehung und Behandlung von verschiedenen Krankheiten ist. Das zweite der naturkundlichen Werke findet sich heute unter dem Namen Physica.

Zum Abschluss des Museumsbesuchs gingen wir durch den „Hildegarten“, ein Garten, in dem Heilkräuter und -pflanzen zu finden sind, mit denen Hildegard von Bingen wohl gearbeitet hat.

Da wir nach langer Wegstrecke und durch den Museumsbesuch ja schon einmal am Rhein waren, wollten wir den Tag auch nutzen. Nach dem Mittagessen erkundeten wir das am südlichen Endel des Landkreises Mainz-Bingen gelegene Oppenheim. Besonders beeindruckt hat uns das Oppenheimer Kellerlabyrinth – und das nicht nur wegen seiner vielen Spinnen. Aber auch die Altstadt und die Katharinenkirche haben wir besucht, bevor wir uns dann am späten Nachmittag auf den Rückweg nach Homburg machten.

Uns hat die Exkursion sehr viel Freude bereitet und wir konnten auch viel mitnehmen. Danken möchten wir unserem Schulzentrumleiter, Herrn Ulrich Wirth, dass er uns diese Exkursion ganz unkompliziert ermöglicht hat und uns interessiert begleitet hat.

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