Medizinisch-technische Laboratoriumsassistenten: Dem SARS-Cov-2-Virus auf der Spur

Seit etwas mehr als einem Jahr wird die internationale Medienlandschaft von Medizinern und Wissenschaftlern dominiert, allen voran Virologen, Mikrobiologen und Hygienikern. Schuld daran hat die Covid 19-Pandemie. In Nachrichten und Talk Shows auf allen Kanälen erklären jeden Abend kompetente Experten die Welt der Viren. Dabei kommt meistens zu kurz, dass die medizinische Versorgung von Patienten und hier insbesondere Diagnostik und Therapie eine Gemeinschaftsarbeit ist. Denn wer SARS-Cov-2-positiv ist, wird im Labor herausgefunden, in der Regel aber nicht ausschließlich von Ärzten und Wissenschaftlern, sondern von Medizinisch-technischen Laborassistentinnen und Laborassistenten (MTLA). Die heimliche Hauptrolle beim Aufspüren des Virus spielen also die MTLA.

Insbesondere die Mikrobiologie ist zurzeit schwer gefragt. „Die Mikrobiologie beinhaltet die Fachgebiete Bakteriologie, Virologie, Mykologie und Parasitologie. Die Aufgabe der MTLA besteht darin, die Infektionserreger mit mikrobiologischen Methoden zu identifizieren und die Wirksamkeit von antimikrobiellen Substanzen zu prüfen“, sagt Kirsten Glutting, die die MTLA-Schule im Schulzentrum am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg leitet. Im Mehrschichtbetrieb bereiten MTLA SARS-CoV-2 Massentests vor, die vorwiegend automatisiert durchgeführt und ausgewertet werden. Hierzu werden mehrere Abstrichproben gepoolt und mit dem Verfahren der Real Time-PCR-Testung ausgewertet. Hinter PCR verbirgt sich die Polymerase-Ketten-Reaktion, die die wichtigste Labormethode zur Untersuchung der molekularen Feinstruktur der Erbsubstanz des Virus ist. Enthält die Probe kein RNA, also kein Erbgut des Virus, waren die Getesteten negativ. Doch war im Pool nur ein einziges positives Ergebnis, dann müssen alle Proben des Pools nochmal untersucht werden und die MTLA nimmt eine Einzeltestung vor.

Aber nicht nur bei der Diagnostik, sondern auch bei der Therapie spielen MTLA eine wichtige Rolle. „Ist der Patient erkrankt, werden verschiedene Laborwerte erhoben“, sagt Kirsten Glutting. In der klinischen Chemie analysieren MTLA verschiedene Körperflüssigkeiten wie z.B. Blut, Urin, Liquor bezüglich ihrer chemischen Zusammensetzung und Konzentration. Bestimmte Laborparameter geben dabei Auskunft, wie das Immunsystem des Patienten gestaltet ist, die so genannte Immunkompetenz. „Die Ergebnisse, die die MTLA liefert, sind somit maßgeblich für die Therapie“, sagt Kirsten Glutting: „Bei der Differenzialdiagnostik schließt der Arzt Krankheiten mit ähnlichen Beschwerden aus, bis eine sichere oder zumindest sehr wahrscheinliche Diagnose übrigbleibt. Die Datengrundlage dazu liefern wir MTLA.“

„Unsere Auszubildenden haben während der Covid-Pandemie megamotiviert in der Routine mitgearbeitet“, sagt Schulleiterin Glutting. Nur wenige hätten dabei Angst gehabt, denn die MTLA seien den Umgang mit infektiösem und gefährlichem Material gewohnt: „Wir MTLA wissen, wie man sich schützt.“ Entsprechend habe sich keiner der Auszubildender angesteckt, weder in der Schule, noch im Labor. „Unsere Auszubildenden haben das Hygienekonzept der Schule vorbildlich umgesetzt, alles hat funktioniert“, freut sich Prof. Dr. Barbara Gärtner, die Leiterin der Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums des Saarlandes.

Pandemie und Home Schooling hätten sich auch nicht negativ auf das Examen ausgewirkt, mit dem die dreijährige Ausbildung endet, ganz im Gegenteil: „Im gesamten Schulzentrum wurde E-Learning, auf das wir im März 2020 umstellen mussten, von unseren Auszubildenden sehr gut angenommen. Und weil sie kompetent sind im Umgang mit neuen Medien, haben auch wir viel von den Azubis gelernt“, sagt Ulrich Wirth, der das Schulzentrum des Universitätsklinikums des Saarlandes leitet. Überdies habe die Covid-Pandemie der Schule wichtige Impulse gegeben hinsichtlich der Erschließung von neuen Berufsfeldern, etwa in der Epidemiologie, der Bioinformatik und der mathematischen Modellierung und Vorhersage von Covid-19-Fällen.

Anders als in anderen Branchen, wo der Lockdown zu Kurzarbeit und Schließungen geführt hat, haben die Labore während der Pandemie viel zu tun, es wird durchgehend analysiert und ausgewertet. Und auch rund um das Thema Impfen sind MTLA involviert, etwa bei den Antikörpernachweisen. Von Kurzarbeit also keine Spur, im Gegenteil, die Ausweitung der labortechnischen Testkapazitäten habe dazu geführt, dass der Markt für derart qualifizierte Fachkräfte praktisch leergefegt sei, so Kirsten Glutting: „Es herrscht schon jetzt Nachwuchsmangel, der Fachkräftemangel stellt eine Herausforderung für die Personalsituation in den Laboren und damit für die gesamte Gesundheitsbranche dar.“ Vor diesem Hintergrund betrachtet sie den Fachkräftemangel als gefährlich. Zwar habe das Saarland die Ausbildungskapazitäten in den vergangenen Jahren von 45 auf 58 Ausbildungsplätze erhöht, doch stünde man mit anderen attraktiven Ausbildungen und Studiengängen in direkter Konkurrenz. Es helfe aber, dass die Auszubildenden Zugang zum Medizin-und Biowissenschaften Studiengang in Kooperation mit der Hochschule Kaiserslautern haben und seit 2019 eine Ausbildungsvergütung bekämen. Und diese kann sich durchaus sehen lassen: Das monatliche Ausbildungsentgelt beträgt für Auszubildende im ersten Ausbildungsjahr bereits 1.036,82 Euro.